Seelenzögern

Wortvorgabe: Benjamin/Wundkokon

Wir hatten uns auseinander gelebt, mein Körper und ich, so schien es jedenfalls. Wir sind irgendwann unterschiedliche Wege eingeschlagen. Mein Geist spaltete sich ab, meine Seele redete schon lange nicht mehr mit mir. Mein Körper breitete sich über ungeahnte Flächen aus. Wir waren uns fremd. Mein Kopf schrie Worte scheinbar zusammenhanglos. Meine Hand malte Zeichen in die Luft, gar ohne Bedeutung. Meine Träume blieben wirre Fremdkörper, die sich mit niemand anderem unterhielten und nur ihre Traumsprache vor sich hielten wie einen Schutzschild.

 

Wir sind krank schrie es tief in mir. Wir sind gestört, antwortete ein anderer Teil. Etwas schrie zurück, sind wir nicht gaga, um das Beste zu sein? Nein, wir haben eine Meise, wir werden untergehen. Das macht die Besten aus. Wir müssen verrückt sein, um der Kunst zu gefallen. Was ist Kunst, schrie der Körper und fragte nach Perfektion. Die Träume antworteten mit Farbenreichtum, doch niemand verstand sie. Waren wir Kunst? Fragte eine Narbe am Körper und wollte ein wenig Aufmerksamkeit, doch in dem Geschrei beachtete sie keiner. Normalität, schrie plötzlich der Geist. Was ist das? Erschallte die mehrfache Antwort. Das was wir nicht sind, wir müssen Anpassung lernen.

 

Hört auf zu reden, ich möchte so gerne Stille haben, schrie die Seele plötzlich. Sie die immer still war, geschwiegen hatte so lang, das seelenzögern beendete, mit einem Aufschrei der Verzweiflung. Seid Still, verdammt! Sind wir nicht eins? Sind wir nicht eins? Warum reden wir wirr durch einander? Wir könnten zusammen so stark sein, wir könnten… Lasst uns bunte Schmetterlinge malen. Und der Körper bewegte sich nicht mehr. Er erstarrte und keine Faser rührte sich. Die Augen schlossen sich und kehrten sich nach innen. Wir sehen unser Innerstes. Liebe erkannte ihr Fehlen nicht, war verschwunden vor langer Zeit. Sind wir verloren, fragte der Verstand. Bist du noch hier? Antwortete die leise Stimme der Seele. Nein, sagte der Verstand, ich wurde aufgelöst, zerfressen als der Wahnsinn kam, dies ist nur noch der letzte Rest von mir. Lasst uns den Wahnsinn rauswerfen, sonst sind wir alle seine Opfer, forderte der Geist. Der Kopf schrie zusammenhanglose Worte. Ihr habt verloren, schon zu lange Weile ich neben euch in diesem Körper, nicht mehr verbannen könnt ihr mich, ohne euch selbst umzubringen. Aber ich verrate euch etwas, Wahnsinn ist die reinste Form der Perfektion.

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