6 Worte: Freundinnen, Schiedsrichter, Catfight, provokante Kleidung, ungehinderter Kuss, Tränen

vorgegeben von Steppenwolf

Dies war einer dieser Augenblicke an denen sie sich fragte, wo eigentlich die Zeit geblieben ist, manchmal schien sie einfach unglaublich fort zu ziehen und einen weit in die Zukunft zu schleudern und dann dachte man an die schöne alte Zeit. Mariam dachte an die schöne alte Zeit, die noch gar nicht lange zurück lag, Tage, Wochen, vielleicht auch schon Monate. Sie wusste es nicht so genau. Aber es schien gestern noch aktuell und warum sollte eigentlich die alte Zeit der Vergangenheit angehören?

 

Waren sie nicht eigentlich immer Freunde gewesen? Warum hatten sie sich angefangen zu streiten? Mariam und Lisa waren immer zusammen unterwegs und haben alles zusammen unternommen und nun sollte es einfach nicht so sein, das verstand Mariam nicht … Dieser Typ hatte alles verändert und das wo sie sich geschworen hatten nie wegen einem Typen zu streiten. Versprechen und Schwüre waren eben doch nur Luft. Worte die wie eine leere Hülle im Raum schwebten und dessen Bedeutung schon so verzerrt ist, das Wahrheit eine Lüge ist und Realität etwas Surreales.

 

Doch Mariam wusste, dass sich bald etwas ändern würde und sie wieder miteinander reden würden. Jedenfalls wenn nicht alles, was sie einmal gesagt, besprochen und geplant hatten plötzlich zu Schall und Rauch werden würde und ihre Freundschaft zur Vergangenheit verkommen sollte. Sie musste nur noch zwei Wochen bis zum Catfight warten. Dann würden sie sich wieder sehen und gegeneinander antreten und entweder würde dass das Ende oder der Neubeginn für eine kränkelnde Freundschaft darstellen. Den Schiedsrichter sollte ausgerechnet der Junge spielen, der sie überhaupt erst auseinander getrieben hatte. Wer auf diese dumme Idee gekommen ist, wusste sie auch nicht mehr, aber sie war sehr gespannt auf den Tag…

 

Dann war der Tag auch gekommen und Mariam bewegte sich mit zitternden Knien auf zum verabredeten Treffpunkt. Auf dem Weg fragte sie sich noch, ob sie dort überhaupt jemanden Treffen würde, doch ihre Angst fand keine Realisation in der Realität. Als sie am Treffpunkt ankam, sah sie schon ein aufgebautes Planschbecken und sowohl Lisa, wie ihn und eine kleine Menschenmenge, die sich angesammelt hatte und jetzt bekam sie erst recht bammel vor dieser Aktion. Lisas provokante Kleidung schrie Schlampenkampf und Mariam fragte sich gerade ob sie nicht einfach umdrehen sollte, um wieder zu gehen als Lisa ihren Namen rief. „Hey, Mariam, da bist du ja, komm zieh dich aus, dann können wir los legen.“ „Verdammt“, dachte sich Mariam, jetzt gab es keinen Ausweg mehr. Sie musste ihre Alltagskleidung ablegen und darunter hatte sie einen einfachen Bikini an. Lisa trug ein Bikinioberteil, ein sehr wenig verdeckendes Bikinihöschen und Chaps. Sie sah wirklich heiß darin aus, aber musste sie jedes Mal unter Beweis stellen, wie wenig Scham sie doch besaß und Mariam als das Mauerblümchen dastehen lassen, um sich selbst wie immer in den Vordergrund zu stellen und Mariam würde wie nie Beachtung finden … Wollte sie eigentlich wirklich wieder eine so gute Freundschaft? Lisa hatte sie oft sitzen lassen, war aber immer da gewesen, wenn es wirklich wichtig war …

 

Mariam stand jetzt in Bikini da und ihr Schiedsrichter Marco rief sie in den Ring. Ein wenig absurd erschien ihr die Aktion nun schon, um sie herum bildete sich eine immer größer werdende Menschenmenge. Das Planschbecken war mit Pudding ausgefüllt. Es sollte also eine richtige Schlammschlacht werden. Sie knieten sich gegenüber und Marco gab das Signal zum Start. Lisa schrie und ging direkt auf Mariam los. „Du blöde Kuh, kannst es nicht ertragen, wenn ich glücklich bin“ Mariam drehte sich weg und befreite sich aus ihrem Griff, um sie unter sich festzuhalten: „Du Schlampe, schnappst dir doch jeden Typen, der dir über den Weg läuft und wenn ich jemanden süß finde, benutzt du ihn und wirfst ihn weg.“ Lisa konnte sich befreien und warf sich nun auf Mariam: „Du Miststück“

 

Mariam und Lisa drehten und wälzten sich in dem kleinen Planschbecken und warfen sich wüste Beschimpfungen an den Kopf. Die Menschenmenge, die sich um sie herum versammelt hatte, feuerte sie an, mal wurde die eine, dann wieder die andere lautstark unterstützt. Mittlerweile liefen Wetten, wer wohl gewinnen würde. Eltern, die zufällig mit ihren Kindern hier lang gingen, beeilten sich ihre Kinder schnell an dem Ort des Schauspiels vorbei zu bekommen, nicht ohne noch ein paar Beschimpfungen in Planschbeckenrichtung abzugeben über das unverantwortliche Verhalten dieser verstörten Jugend. Als Lisa die Oberhand gewonnen hatte und nun halb auf Mariam saß, drückte sie Mariam fest auf den Boden. Erst schaute sie triumphierend in die Menge. Marco fing an auszuzählen und Mariam versuchte noch sich aus Lisas Klammersitz heraus zu winden. Als Lisa ihren Kopf sank und Mariam ungehindert küsste. Marco hörte auf zu zählen und stand mit offenem Mund neben dem Planschbecken. Der Kuss war lang, andauernd und intensiv. Mariam strömten Tränen übers Gesicht: „Ich liebe Dich.“ „Ich liebe dich auch. Es tut mir so leid“ Lisa packte Mariam zog sie endlich hoch und küsste sie noch einmal. Sie hielten sich fest in den Armen und küssten sich weiter und der Kampf sollte nun vorbei sein.

 

Das Publikum änderte ihre Schlachtrufe und forderte die beiden nun dazu auf sich weiter zu küssen und sich auszuziehen, doch diese Show wollten sie nun wirklich nicht mehr liefern und sie schnappten sich ihre Sachen und liefen durch die Menge davon. Lisa hielt Mariams Hand und zog sie durch die Menge weg. Bis sie die Leute ein Stück hinter sich gelassen hatten und sie sich umdrehte und Mariam noch einen Kuss auf den Mund aufdrückte und ihr ins Ohr flüsterte: „Lass uns einfach fort laufen, bis wir nicht mehr können und wir werden zusammen frei sein.“ Und Mariam lief los und zog Lisa hinter sich her. Und Traum und Wirklichkeit verschwamm für sie vor dem inneren Auge und sie würden laufen und suchten den Regenbogen, um durch ihn ins Wunderland zu kommen und blieben doch auf der Strecke im Ruhrgebiet stehen und konnten nicht mehr laufen, doch waren sie zusammen, das erste Mal seit sie sich kennen, verstanden sie sich wirklich. Und ihre eigentliche Show sollte jetzt erst beginnen, wo keiner mehr da war, um ihnen zuzuschauen.

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